„Alle Jahre wieder Europas größte Dragrace Veranstaltung“ könnte man jetzt schreiben.

Das trifft zwar zu, doch gab es in 2010 einige Besonderheiten und Neuerungen. So wurden die Nitrolympx 2010 etwas ganz Besonderes. Ob es ein Grund war, dass es die 25. Nitrolympx waren oder ob es an Jerry Lackey, seit zwei Jahren dem neuen Rennleiter, liegt, dass es einen neuen Teilnehmer Rekord gab, wissen wir nicht. Über 300 Teams hatten sich für 2010 in Hockenheim angemeldet. Das waren aber nicht die einzigen Besonderheiten. Es gab in 2010 noch etwas Besonderes. Zwei neue Klassen kamen an den Start: SuproET und ProET. Die beiden Klassen haben in den letzten Jahren einen riesigen Zulauf bekommen und lassen das alte Bracket Racing wieder aufleben. Dank Jerry Lackey (er machte im zweiten Jahr einen super Job als Rennleiter), Rico Anthes’ Nachfolger, haben Neuerungen in Hockenheim eine gute Chance. ProET ersetzt die in die Jahre gekommene PR1 Klasse. Damit aber auch die PR1 Fahrzeuge nicht ganz darauf verzichten müssen in Hockenheim zu fahren, gab es eine Woche vorher in Hockenheim die Public Race Days, bei denen die Klasse PR1 ausgetragen wurde.

 

Wir werden uns in diesem Bericht auf die neue Klasse ProET stürzen, die, wie ihr gerade gelesen habt, das erste Jahr in Hockenheim an den Start geht. ProET? 2007 gab es im Dragracing Forum eine Diskussion um neue Klassen in unserem Sport. SuproET und ProET wurden genannt. Boris Baur und Tony Brandes (selbst beides Fahrer der Klassen PR1 / Super Street / SE) nahmen sich der Sache an und brachten ProET ins Rollen. Die ersten Rennen wurden 2008 in Luckau, Bitburg und Rotenburg gefahren. Die Klasse hatte einen sehr guten Zuspruch so dass auch die Offiziellen vom Deutschen Motorsport Bund (DMSB) aufmerksam wurden. Ziel von Boris und Tony war von Anfang an, dass ProET bei den offiziellen Rennen über den DMSB angenommen und ausgeschrieben wird. Wie wir alle wissen mahlen die Mühlen in Deutschland immer sehr langsam und so machten sich Boris und Tony nicht all zu große Hoffnungen ProET zügig in das DMSB Reglement einbetten zu können. Das größte Ziel für  ProET war natürlich die Ausschreibung Hockenheim Nitrolympx. Dass es schon 2010 soweit sein wird, hätten weder Tony noch Boris für möglich gehalten. Zu verdanken haben die beiden das Jerry Lackey, der in jungen Jahren selbst ein ET Bracket Racer war und sein Racerherz immer noch für das Bracket Racing schlägt. Jerry ermöglichte es auch, dass proET 2009 das erste Mal offiziell in Luckau bei einer DMSB-Veranstaltung ausgetragen wurde. Fahrer, Rennleiter, Helfer - alle zogen am gleichen Strang. Und so wurde ProET in 2010 ganz offiziell mit in das Reglement und die Ausschreibungen aufgenommen. Das bedeutete natürlich aber auch einen Lauf bei den Hockenheim Nitrolympx. Wie oben erwähnt hätte noch 2007 niemand damit gerechnet und die Freude darüber war bei allen groß. Da Hockenheim für jeden Fahrer immer etwas ganz besonderes ist, wurde im Vorfeld auf den Rennstrecken viel darüber geredet, wie ProET wohl angenommen wird. Gerüchte brachten in Umlauf, dass wohl neben einigen Teilnehmern aus Nachbarländern auch Engländer anreisen würden. Man rechnete im ersten Jahr aber nicht mit einem großen Andrang an Fahrern und schrieb ein 16er Feld aus (im Dragracing werden je nach Klasse 4, 8, 16, oder 32er Eliminationsfelder ausgeschrieben). Sollte es mehr Anmeldungen geben, würden sich dann auch nur 16 Qualifizieren. Boris und Tony sind, wie ihr oben aufmerksam gelesen habt, selber Fahrer. Sie haben den gemeinsamen Sponsor Armor All und fahren somit im gleichen Team (Armor All). Bei einem 16er Feld sollte es gut möglich sein, selber zu fahren und sich gleichzeitig noch um die Fahrer der Klasse zu kümmern. In Tschechien (Bechyne) hat das Tony erfolgreich ausprobiert. So sollte es in Hockenheim zu zweit auf jeden Fall möglich sein. Größte Klasse Gespannt wartete man Ende Juli auf die erste Teilnehmerliste für Hockenheim. Als sie im Internet zu lesen war, machte es schneller als ein Lauffeuer die Runde: Im ersten Update gab es für die Klasse ProET schon über 40 Anmeldungen. Na Hoppla! Da hatte nun wirklich niemand mit gerechnet. Die Anmeldungen kamen aus ganz Europa: Holland, Österreich, Schweiz und sogar wie die Gerüchte vermuten ließen, hatten sich auch einige Engländer gemeldet. Daran hatte nun wirklich niemand geglaubt. Die Freude war groß, wobei  natürlich die Frage aufkam, wie man das alles schaffen soll. Aber auch hier zeigten Jerry Lackey und sein Team wieder große Klasse. Der Zeitplan wurde umgeschrieben und ProET wurde auf ein 32er Feld aufgestockt. Am Ende der Anmeldefrist konnte man 52 Namen auf der ProET Anmeldeliste lesen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es in Hockenheim im ersten Jahr einer Klasse oder überhaupt in all den Jahren in einer Klasse so viele Anmeldungen gab. Man kann sich vorstellen, dass diese Lust der Fahrer an der Klasse überall für Aufmerksamkeit sorgte. Boris und Tony freuten sich natürlich über den großen Zuspruch, wobei sie aber das Problem sahen, alles vernünftig organisiert zu bekommen. Es sollte im ersten Jahr natürlich nichts schief gehen. Bei so einem großen Starterfeld wird es natürlich schwierig über jeden Fahrer /in zu berichten, so vertiefen wir unseren Bericht über die beiden,  die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass wir hier überhaupt einen Artikel schreiben können. Nicht nur Macher, sondern auch Fahrer, besser kann es für uns Schreiberlinge doch gar nicht kommen.

Mit Jerry Lackey wurde abgesprochen, dass es nach der offiziellen Fahrerbesprechung am Donnerstag noch eine eigene Fahrerbesprechung für alle Teilnehmer in der ProET Klasse gibt. Diese hielten Boris und Tony ab, die zugleich auch als Pit Marshall eingeteilt wurden. Neben dem Reglement wurden auch noch mal die Sonderpreise erwähnt. KTS American Parts hat 200,-€ für denjenigen ausgeschrieben, der in der Qualifikation seinen Index auf den Tausendstel genau trifft. Und XXXXX spendierte für den Erstplazierten eine Helm - Airbrush Lackierung - wirklich attraktive Sonderpreise. Boris beschäftigte sich noch den restlichen Donnerstag mit dem Fahrwerk vom Nova. Aber auch mehrere ausgiebige Testfahrten auf dem Ring ließen den Fehler nicht ausmachen. Da das Fahren so eindeutig zu gefährlich gewesen wäre, entschloss sich Boris den Nova an diesem Wochenende nicht mehr zu bewegen. Das ist natürlich, wenn man fast ein Jahr daraufhin gearbeitet hat, eine bittere Niederlage. Boris und Tina nahmen es aber als Herausforderung an und wollen in der nächsten Saison mit neuem Fahrwerk im Nova erfolgreich starten. Des einen Leid, des anderen Freud. Die gesamte ProET Klasse profitierte nun ausgerechnet davon, da sich Boris jetzt 100% um alle Teilnehmer kümmern konnte. Wie sich später heraus stellen sollte, wäre es wohl auch anders gar nicht möglich gewesen, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

1.Qualifikationslauf

Von den angemeldeten 52 Startern standen 50 am frühen Freitagmorgen im Line Up. Der erste Lauf war schon um kurz nach 9.00 Uhr angesetzt. Keine Chance also für Langschläfer. Wenn man als Fahrer weiß, dass von den ca. 50 Fahrern nur 32 weiterkommen, also fast 20 nach den drei Qualifikationsläufen wieder einpacken dürfen, machen sich die Fahrer natürlich große Gedanken darüber, welchen ersten eigenen Index man setzt. Die Erfahrung zeigt, dass es immer wieder Fahrer gibt, die alle drei Läufe versemmeln. Und das nicht, weil das Fahrzeug nicht läuft, sondern indem sie ihren Index unterfahren. Zu sehr auf Sicherheit setzen ist eben auch nicht gut. Allerdings: Überfährt man den Index zu weit, läuft man schnell Gefahr auch nicht mehr unter den ersten 32 zu landen oder in der Qualifikationsliste ganz unten zu stehen. Also war schon im ersten Rennen die Spannung groß. Auch hier konzentrieren wir uns wieder auf den Fahrer des Armor All Hot Rods um euch das Ganze mal aus der Sicht des Fahrers zu zeigen. Wie viele andere Fahrer auch, hatte Tony das Problem die Strecke nur vom letzten Jahr zu kennen. Er hatte keine Zeit eine Woche vorher bei den Public Race Days die Strecke und den Armor All Hot Rod zu testen. Wie genau man die Viertelmeile ohne technische Hilfsmittel fahren kann, zeigen uns die routinierten Engländer, die auch mit am Start sind. Sie fahren konstant im Bereich von tausendstel Sekunden! Der Armor All Hot Rod fährt je nach Strecke und Umwelteinflüssen Zeiten zwischen 10,2 und 10,8 Sekunden auf der Viertelmeile. Hockenheim zählt durch die sehr gut präparierte Strecke zu den schnelleren Strecken. Also sollte man um auf Nummer sicher zu gehen den Index tief ansetzen, damit man ihn nicht gleich im ersten lauf unterbietet. Die Nervosität steigt sonst nur unnötig. Des Weiteren weiß man in Hockenheim nie, wie das Wetter mitspielt. Sollte es stark regnen und alle weiteren Qualifizierungsläufe ausfallen, würde man mit einem unterfahrendem Index ganz schön alt aussehen. Nun gut. Tony setzte seinen Index auf 10,20 Sekunden - ein Unterbieten war so gut wie unmöglich. Allerdings würde so beim ersten Lauf vermutlich kein guter Platz herauskommen. So war es aber gewollt: No Risk! Die ersten Läufe zeigten, dass die Strecke sehr gut geklebt war. Die Antriebsstränge einiger Teilnehmer hielten den Belastungen nicht stand und verweigerten die Weiterfahrt. Viele andere hatten auch die Strecke unterschätzt und ihren Index viel zu tief gesetzt. So auch die drei Teams aus England. Wobei man gut erkennen kann, was „Unterbieten“ für die Engländer bedeutet. Carla im 70iger Camaro fuhr nur ein Tausendstel unter ihrem Index. Eine haaresbreite langsamer hätte sie nach dem ersten lauf gleich die 200,-€ von KTS abkassiert. Bei Tony lief es so lala. Der Verteiler machte leichte Probleme und kleine Zündaussetzer waren die Folge. Immerhin reichte die Zeit (10,45 Sekunden) für einen mittleren Qualifikationsplatz im ersten Lauf. Die Rechnung von Tony ging also auf. Verteiler & Anlasser. Was war los mit dem Verteiler? Da muss wohl ein wenig ausgeholt werden. Bei der Anfahrt nach Hockenheim regnete es stark und da der Motorraum des Armor All Hot Rod offen ist, hatten es Regen bzw. Feuchtigkeit leicht überall ein zu dringen. So auch in der Verteilerkappe, wo die Feuchtigkeit im Verteiler Spuren hinterließ. So hieß es auch für Tony nach dem ersten Lauf ein wenig am Wagen zu schrauben. Als der Fehler behoben war, blieb auch nicht viel Zeit bis zum nächsten Aufruf, um zum Startbereich zu fahren. Boris hingegen wirbelte zwischen Fahrerlager und Timingcontainer hin und her und kümmerte sich aufopferungsvoll um alle Teilnehmer. Neue Index-Zeiten der Fahrer wurden angenommen, gelistet und an die Timing Crew weitergegeben. Tony ließ es bei seinem Index von 10,2 Sek. Er hoffte, dass der Rod jetzt wieder besser läuft und ein paar Zehntel schneller wird.

Als der Aufruf für Tonys Klasse kam, wollte er den Rod starten um zum Vorstart zu fahren. Als er den Startknopf drückte, rutschte der Anlasser durch – der Motor sprang nicht an. Ein wenig Panik kam auf. Tony schnappte sich einen Hammer und drosch auf den Anlasser ein. Leider ohne Erfolg. Tony gab die Hoffnung auf den zweiten Qualifikationslauf aber noch nicht auf. In Windeseile wurde der defekte Anlasser ausgetauscht und ein Ersatzanlasser eingebaut. So ein offener Motorraum mit viel Platz zum schrauben, kann schon sehr vorteilhaft sein. Die ganze Aktion dauerte nur knappe 15 Min. Mit ein wenig Glück würde es Tony noch rechtzeitig in den Vorstart schaffen. Der Startknopf gedrückt - und der Motor lief! Nun aber zügig durch das Fahrerlager gespurtet, um es noch rechtzeitig zum Qualifikationslauf zu schaffen. Sprichwörtlich in letzter Sekunde schob sich Tony mit 10,25 Sekunden schon recht dicht an seinen Index heran und kam mit dieser Zeit in die oberen Plätze. So konnte das Armor All Team den Freitag gut ausklingen lassen.

Samstag 20 + 16 raus Wieder hieß es für die Klasse ProET ganz früh aufstehen. Der dritte und letzte Qualifikationslauf wurde um kurz nach 9.00 Uhr angesetzt. Tony setzte seinen Index auf 10,25 Sekunden und hoffte so noch etwas dichter an die gefahrene Zeit heran zu kommen. Da aber auch in diesem Lauf nicht alles rund lief, verpasste er es sich zu verbessern. Wie dicht die Fahrer ihren Index getroffen haben, sah man anhand der Qualifikationsliste. Die ersten Plätze lagen alle im Tausendstelbereich. Tony landete mit 5 Hundertstel über seinem Index auf Platz 11. Immer noch sehr gut bei einem Starterfeld von 50 Teilnehmern. Boris, der wie schon erwähnt ordentlich zwischen Fahrerlager und Timing Crew wirbelte, hatte nach dem dritten Lauf besonders viel zu tun. Die dritte Qualifikationsliste musste vier Mal umgeschrieben werden bis sie endlich stimmte. Der Timing Computer kam mit der Bracket Racing Klasse überhaupt nicht zu recht. Alle Läufe sowie die kompletten Listen wurden dann von Hand geschrieben - so wie in der guten alten Zeit, würde jetzt mein Freund Andy Hajenski schreiben. Es sollte aber nicht der letzte Lauf am Samstag bleiben.

Der erste Ausscheidungslauf stand auch noch auf dem Plan. Das war schon hart wenn man bedenkt, dass noch vor ein paar Stunden 50 Fahrzeuge am Start standen und es in wenigen Minuten nur noch 16 sein sollten. Tony stand gegen einen Holländer am Start, wobei Tony immer noch das Problem hatte sein Armor All Hot Rod nicht richtig einschätzen zu können. Er setzte den Index wieder auf 10,25 Sekunden. Am Start bewies Tony einmal mehr eine hervorragende Reaktionszeit, die ihm den Sieg in diesem Duell und einen Platz nun unter den letzten 16 einbrachte. Man konnte so den Samstagabend fröhlich ausklingen lassen. Einer aus dem Armor All Team ist allerdings an diesem Samstag mehr Kilometer gelaufen als alle anderen Teilnehmer gefahren sind. Boris hatte wirklich alle Hände voll zu tun und hat im Fahrerlager ungefähr zweimal die Distanz der Tour de France auf seinem Klapprad zurückgelegt.

Sonntag Regen, 8er Feld und Rennabbruch

Am Sonntag hieß es natürlich wieder früh aufstehen. Wir hatten darin nun ja schon Übung. Allerdings konnte man nach dem ersten Augenaufschlag die Augen gleich wieder schließen: es hatte über Nacht kräftig geregnet und so konnte auf nasser Strecke natürlich unmöglich gestartet werden. Auch ließ der Himmel auf einen nicht sehr schönen regenfreien Tag hoffen. Nachdem die Strecke gerade abgetrocknet war und die ProET Klasse aufgerufen wurde, fing es wieder leicht an zu tröpfeln, und es war für den restlichen Tag noch schwereres Wetter angesagt worden. Tony war nun gegen die Engländerin Carla dran. Carla zeigte das ganze Wochenende  hervorragende Läufe. Sie fuhr immer im Bereich einer tausendstel Sekunde. Tony würde es nun ganz schwer haben. Der Armor All Hot Rod müsste jetzt einwandfrei laufen, um noch eine Chance zu haben. Schon im Vorstart lief der Hot Rod aber nicht ganz rund, was nichts Gutes ahnen ließ. Als es dann zum Start ging und die Ampel auf grün schaltete, gab es einen kräftigen Verschlucker des Vergasers und das Rennen war gelaufen. Kleiner Trost am Rande: es war der letzte Lauf von ProET in Hockenheim an diesem Wochenende. Der Regen setzte wieder ein und das Rennen wurde abgebrochen. Pokale und Preisgelder wurden dem Reglement entsprechend nach dem Qualifikationsplatz vergeben. Carla, die Tony im letzten Lauf besiegte, erhielt für ihren zweiten Platz in der Qualifikation einen schönen Pokal und ein ordentliches Preisgeld. Alle Fahrer, die am Sonntag noch geblieben waren, wurden zum Buffet mit Freibier eingeladen. Ein gelungener Abschluss der Nitrolympx, auch wenn das Wetter am Sonntag leider nicht renntauglich war. Wir freuen uns schon auf 2011 !!!

12. - 15. August Hockenheim

Tony